Websites und Wartung
Ich wollte nur eine Website. Jetzt habe ich Verpflichtungen.

Deine Telefonnummer stimmt noch. Dein Angebot auch. Das Foto könnte man irgendwann austauschen, aber eigentlich schaust du noch ungefähr so aus.
Es gibt also gerade keinen Grund, an deiner Website etwas zu ändern.
Deine Website sieht das anders. Sie hätte gern ein Update. Genau genommen mehrere. Das Verwaltungssystem, zwei Plugins und das Template möchten auf den neuesten Stand gebracht werden. Vorher bitte eine Sicherung machen. Nachher kontrollieren, ob noch alles funktioniert.
Dabei wolltest du eigentlich nur die Öffnungszeiten ändern. Oder doch dein Foto. Weil minimal verändert hast du dich in den letzten zehn Jahren schon.
Aus meiner jahrelangen Arbeit mit Joomla-Websites kenne ich diesen Aufwand gut. Und ich finde es durchaus sinnvoll, zu fragen: Wie viel Technik braucht eine Website, auf der sich die meiste Zeit gar nichts verändert?
Eine Website mit technischem Ablaufdatum
WordPress und Joomla sind Beispiele für sogenannte Content-Management-Systeme, kurz CMS. Damit kannst du Texte, Bilder und Seiten über einen Admin-Bereich selbst bearbeiten.
Eine gute Sache, wenn du das regelmäßig machst. Wenn nicht, hast du wahrscheinlich vergessen, wie das geht.
An dieser Stelle einen lieben Gruß an meine Kunden. ;-)
„Ich habe mein Passwort vergessen“ ist übrigens der häufigste Supportfall, seit ich eine Webagentur betreibe. Immer und immer wieder. Manche Dinge bleiben erstaunlich beständig in dieser schnelllebigen digitalen Welt.
Zur Website gehören dann oft noch Themes beziehungsweise Templates für die Optik sowie Plugins für zusätzliche Funktionen. Diese Teile stammen häufig von unterschiedlichen Entwicklern und müssen miteinander auskommen. Auch nach einem Update. Da haben sie mit uns Menschen einiges gemeinsam, würden meine Kunden aus dem psychosozialen Bereich sagen.
Solange alle Bestandteile weiterentwickelt werden, lässt sich das betreuen. Schwieriger wird es, wenn für ein Template oder Plugin keine Updates mehr kommen. Irgendwann passt es nicht mehr zum aktuellen System oder zur technischen Umgebung beim Hoster. Und Paartherapie funktioniert hier nicht.
Das kenne ich gerade wieder aus meinem eigenen Joomla-Alltag. Eine lange verwendete Vorlage wird nicht mehr weiterentwickelt, während sich die Technik rundherum weiterbewegt.
Dann braucht es Anpassungen oder einen Ersatz. Das bedeutet oft einen größeren Arbeitsaufwand, mit dem du als Kunde nicht gerechnet hast.
Die Texte können noch stimmen und die optische Gestaltung kann weiterhin gefallen. Trotzdem wird unter der Oberfläche ein größerer Umbau nötig. So bekommt eine Website gewissermaßen ein technisches Ablaufdatum.
Das stand nur leider nicht auf der Verpackung.
Und dann ist da noch die Sicherheit
Die Updates sind natürlich keine Beschäftigungstherapie für Webdesigner. Sie schließen unter anderem Sicherheitslücken.
Vielleicht hast du die Meldungen dieser Tage mitbekommen: Wegen schwerer Sicherheitslücken in PHP wurden weltweit Websites vorübergehend abgeschaltet. PHP ist eine technische Grundlage vieler Websites, unter anderem von WordPress und Joomla. Zum ORF-Bericht (neuer Tab)
Eine rein statische Website kommt ohne PHP aus. Damit entfällt auch der Angriffsweg über diese Sicherheitslücken. Viele meiner Kunden haben gestern erleichtert aufgeatmet und sich entspannt zurückgelehnt.
An dieser Stelle auch ein Lob an meinen Hostinganbieter Serverprofis: Die haben mich rasch informiert und ebenso schnell reagiert. Genau bei solchen Gelegenheiten merkt man, was ein guter Anbieter wert ist. Wenn du über meinen Partnerlink (neuer Tab) dort ein Hostingpaket bestellst, bekomme ich übrigens eine Provision – ungefähr genug für einen Kaffee. Den kann ich bei meiner vielen Nachtarbeit gut brauchen.
Der Sicherheitsanbieter Patchstack hat für 2025 im WordPress-Umfeld 11.334 neu entdeckte Schwachstellen erfasst, 42 Prozent mehr als im Vorjahr. Rund 91 Prozent davon betrafen Plugins. Das sind entdeckte Sicherheitslücken, keine gezählten erfolgreichen Angriffe. Zum Patchstack-Bericht (neuer Tab)
Dazu kommt jetzt die KI. Die hilft inzwischen auch Leuten, bei denen man sich eine etwas gründlichere Prüfung ihrer Berufswahl wünschen würde. Das britische National Cyber Security Centre erwartet, dass Angreifer mit ihrer Hilfe bekannte Sicherheitslücken schneller ausnutzen können. Für das Einspielen der nötigen Korrekturen dürfte dadurch deutlich weniger Zeit bleiben. Zur Einschätzung des NCSC (neuer Tab)
Ein Wettrennen zwischen Entwicklern und Hackern also. Könnte man lustig finden, wenn die eigene Website dabei nicht auf dem Spiel stünde.
„Aber was kann da schon groß passieren?“, werde ich gelegentlich gefragt. „Auf meiner Website stehen ja nur ein paar Informationen.“
Leider muss niemand an deinen Informationen interessiert sein, um deine Website zu missbrauchen. Angreifer können dort fremde Werbung unterbringen, Besucher auf Betrugsseiten umleiten oder Schadsoftware verbreiten. Auch Google kann plötzlich seltsame Inhalte unter deiner Internetadresse anzeigen oder der Browser vor dem Besuch warnen. Beispiele bei Sucuri (neuer Tab)
Dein Name steht dann weiterhin oben. Was darunter passiert, hast du dir anders vorgestellt.
Die Bereinigung kostet Zeit und Geld. Und verlorenes Vertrauen lässt sich leider nicht einfach aus einem Backup wiederherstellen.
Ein bisschen wie früher. Nur mit besserer Mobilansicht.
Eine mögliche Antwort ist die statische Website.
Bei ihr liegen die Seiten fertig auf dem Server. Wenn jemand deine Website besucht, wird die passende Seite direkt ausgeliefert. Es braucht kein laufendes CMS, das sie bei jedem Aufruf erst zusammensetzt. Statische Seiten haben hier einen Geschwindigkeitsvorteil und laden bei vergleichbarem Aufbau in der Regel schneller.
Dahinter steckt eine klassische Idee. So wurden Websites schon früher gebaut. Die bewährten Grundlagen dafür sind geblieben und haben sich weiterentwickelt: HTML beschreibt die Inhalte und ihren Aufbau, CSS kümmert sich um die Gestaltung.
Die Kürzel musst du dir nicht merken. Es gibt am Ende keinen Test.
Diese einfache Art, Websites zu bauen, wird gerade wiederentdeckt. Menschen gestalten bewusst eigene Seiten mit klassischer Webtechnik; Plattformen wie Neocities (neuer Tab) geben dieser Rückbesinnung einen Platz. Es gibt sogar internationale Treffen, bei denen gemeinsam statische Webseiten geschrieben werden. Andere treffen sich zum Stricken. An dieser Stelle einen lieben Gruß an zwei bestimmte Damen im TiBS-Büro (neuer Tab).
Ein bisschen nostalgisch ist das schon. Für eine überschaubare Unternehmenswebsite hat der Ansatz aber auch praktische Vorteile: weniger laufende Technik und weniger Wartungsaufwand.
Deine Website sieht genauso modern aus, funktioniert auf verschiedenen Bildschirmgrößen und kann natürlich auch später Änderungen wie neue Texte, Bilder oder zusätzliche Seiten bekommen. Der Begriff „statisch“ beschreibt den technischen Aufbau, nicht die Lebendigkeit deines Webauftritts.
Auf meiner Website findest du bei den Referenzen nur mehr statische Websites. Andere baue ich inzwischen nicht mehr. Wie das aussehen kann, zeigen meine Arbeiten.
Eine sorgfältig umgesetzte statische Website bietet gegenüber einer Website mit laufendem WordPress oder Joomla einen erheblichen Sicherheitsvorteil: Die Angriffswege über das CMS und seine Erweiterungen entfallen vollständig, weil diese Bestandteile gar nicht mehr vorhanden sind.
Aber auch hier gehört eine saubere Umsetzung dazu. Zusätzliche Funktionen wie ein Kontaktformular werden gesondert abgesichert. Völlig ausgeschlossen ist ein Sicherheitsproblem bei keiner Website – die Angriffsfläche des Website-Codes ist durch den einfacheren Aufbau aber deutlich kleiner.
Und was ist mit Jimdo, Wix und den anderen Baukästen?
Bei einem Baukastensystem kannst du deine Website selbst gestalten und Inhalte bearbeiten. Die Pflege des technischen Systems übernimmt der Anbieter. Das ist bequem und kann gut zu deinem Bedarf passen.
Dafür bewegst du dich innerhalb seiner Möglichkeiten. Welche Funktionen verfügbar sind, wie frei du gestalten kannst und welcher Tarif dafür nötig ist, hängt von der jeweiligen Plattform ab.
Ein späterer Wechsel zu einem anderen System bedeutet meist, die Website technisch komplett neu aufzubauen. Texte und Bilder kannst du häufig mitnehmen. Den Baukasten selbst bekommst du nicht einfach in einer Umzugsschachtel überreicht. Wix beschreibt diese Bindung an die eigene Plattform auch in seiner Hilfe (neuer Tab).
Eine unabhängig entwickelte statische Website gibt dir hier mehr Freiheit. Ihre fertigen Seiten lassen sich unkompliziert bei einem Webhoster deiner Wahl betreiben und bei Bedarf von einem anderen Webdesigner weiterbetreuen. Außerdem können die Seiten oft viele Jahre unverändert im Netz stehen, ohne dass laufend technische Anpassungen nötig sind.
Einen Haken gibt es natürlich
Bei der statischen Umsetzung, die ich anbiete, gibt es keinen Admin-Bereich, in dem du selbst schnell einen Text austauschst oder ein Bild hochlädst. Dafür brauchst du entsprechende Kenntnisse oder jemanden, der die Änderung übernimmt.
Für solche Arbeiten buchen Kunden bei mir zum Beispiel Wartungspakete. Dabei geht es dann um Änderungen, die du tatsächlich auf deiner Website haben möchtest. Zusätzliche CMS-Plugins für Sicherheit, Firewall oder Backups brauchst du für die statischen Seiten nicht mehr. Damit fallen auch mögliche Lizenzkosten für deren kostenpflichtige Varianten weg.
Wenn du jede Woche selbst neue Inhalte veröffentlichst, kann ein CMS oder ein Baukasten weiterhin gut zu dir passen.
Wenn du dich dagegen beim letzten Login erst durch „Passwort vergessen“ und anschließend durch drei Hilfeseiten gearbeitet hast, darfst du dich fragen, ob das Ganze den Aufwand wert ist. Oder ob du die Zeit dafür lieber in das stecken möchtest, womit du dich auskennst und was dir Freude bereitet.
Vielleicht möchtest du Änderungen auf der Website ohnehin lieber auslagern und dich um deine eigene Arbeit kümmern. Dann kann eine statische Website eine angenehm einfache Lösung sein.
Und falls dir deine bisherige Website noch gefällt, muss beim Wechsel auch nicht alles anders werden. Passende Texte, Bilder und die vertraute Gestaltung können die Grundlage für den Neuaufbau bleiben. Oft lässt sich die bisherige Website optisch sogar nahezu identisch nachbauen.
Du musst also nicht gleich eine neue Lieblingsfarbe finden, nur weil die Technik hinter deiner Website einfacher werden soll.
Wenn du über eine Vereinfachung nachdenkst, findest du auf meiner Seite über Websites ohne WordPress, Joomla oder Baukasten mehr dazu. Dort erkläre ich auch, für welche Websites sich ein solcher Wechsel eignet und wie wir dabei vorgehen.
Vielleicht braucht deine Website tatsächlich weniger Technik.
Du hast vermutlich auch ohne Updateaufforderungen schon genug Dinge, die regelmäßig etwas von dir wollen.
Und bevor du jetzt weiterarbeitest …
Wann hast du zuletzt selbst etwas auf deiner Website geändert? Und weißt du noch, wie du dich dort anmeldest?